Hedwig Boerger
GEDICHTE
ausgewählt für Eurythmie und Sprachgestaltung
Stichworte:
Gedichte, Eurythmie, Sprachgestaltung
Diese Gedichtsauswahl soll ein Arbeitsbuch sein für Menschen, die Inspiration und Material für ihre Sprach- und Bewegungskunst suchen. Insbesondere Eurythmisten und Sprachgestalter werden hier eine Fülle von Gedichten für ihre Arbeit finden.
Allen Gedichten gemeinsam ist eine elementare Kraft, Festigkeit und Geradheit in Bild und Sprache.
Die Thematik Hedwig Boergers ist die Lebenssituation des modernen Menschen: Angst, Einsamkeit, Verlassenheit, Zweifel um den »Willen des Weges«, der vor ihm liegt, Suche nach Harmonie, aber auch intime Zwiesprache mit den Urgründen des Daseins und stilles Gebet
Eines ihrer bekanntesten Gedichte, oft von Helene Reisinger (Berliner Eurythmieschule) dargestellt :
Karyatiden
Was sind wir? Karyatiden schwankender Portale,
Die immer wieder aus den Trümmern sich erheben.
Fragmente, die Zerlebtes überleben,
Dazu berufen, wenn die Zeiten beben,
Fraglos zu stützen, fraglos zu tragen und zu heben.
Ob wir vom Herzen bis zum Haupt verwittert,
Ob ein Prophetenmund vom Rufe splittert,
Der Geist hat Macht, den Torso zu durchdringen
Und Würgeengel, schwarz von Angesicht und Schwingen,
Gewaltlos Aug in Auge zu bezwingen.
Er, den die Erdenwelt nicht ausgetragen,
Kann noch aus Stümpfen ihres Leibes ragen
Und lebensträchtig, mitten im Finale,
Das Gloria sancta aus den Steinen schlagen,
Die Rosen zeugen und die weißen Tauben.
Kein Todesatem soll den Hain entlauben,
Weil Furcht und Fehl als fliegende Schakale
Zerstörend wieder durch das Weltall schnauben.
Noch stehn auf Erden heilige Portale !