Philipp Richter
AN EINE WEIHNACHTSKERZE
Duett für Singstimme und Klavier, Vertonung eines Gedichtes von Alfred Marnau
Vorwort von Philipp Richter:
Die Vertonung von »An eine Weihnachtskerze« entstand aus der Beschäftigung
mit sehr frühen Gedichten von Alfred Marnau.
Dieses Gedicht gab mir am stärksten zu einer Vertonung Anreiz, weil es in
Stimmungen eintaucht, Erinnerungsbilder entstehen läßt, die aber
angenehm angedeutet bleiben. Dies ist für mich die Sphäre, wo Musik an die
Sprache anknüpfen und sich trotzdem in ihrem eigenen Wesen entfalten
kann.
Meine Absicht bei der Vertonung war, die Stimmung des Textes aufzugreifen,
zu verändern und trotzdem »musikalisch« zu bleiben.
Dabei ergab sich als Gestaltungsprinzip die oft eingesetzte Gegenbewegung
zwischen den drei Stimmen (Klavier als Unter- und Oberstimme
verstanden).
Ich habe versucht, in gezielter Weise die Intervallcharaktere einzusetzen.
Die Bevorzugung bestimmter Intervalle ergab sich aus meinem inneren
Hören, der während der Kompositions- und Setzarbeit entstandenen Klangvorstellung.
Sie versucht, offen zu bleiben, raumschaffend, schwebend; so
wie die Bilder im Gedicht nur angedeutet sind, mehr erwähnt als ausgeführt,
der eigenen Erinnerung offenstehend.
Ich hoffe, daß meine Vertonung ein Teil des Einlebens in die Weihnachtszeit
sein kann und dazu anregt, seinen eigenen Empfindungen zu lauschen.