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Abb. Gudrun

Reiner Marks


GUDRUN


Schauspiel. Christliche Grundmotive im Ggs. zum zeitgleichen Nibelungenlied.
EAN: 978-3-931370-38-1 ISBN: 3-931370-38-0 100 S. 145x203 mm 9.20 € Anzahl erhöhen
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Stichworte:
Gudrun, Germanische Mythologie, Kriemhild, Klassenspiel, 8. Klasse, Schule, Sprache, Spracherziehung, Sprachpflege, Sprachgestaltung, Sprachtherapie, Theater


Vorwort von Rainer Marx:

Das Kudrunlied wurde etwa zeitgleich mit dem Nibelungenlied (in den Jahrzehnten nach 1200) nach der mündlichen Überlieferung aufgeschrieben. In der Literaturgeschichte wird es dichterisch nicht so hoch bewertet wie das letztere, steht diesem aber motivisch nicht nach. Es bildet vielmehr ein ganz wesentliches Pendant dazu, indem die Titelfigur Kudrun durch ähnlich schweres Leid geführt wird wie Kriemhild im Nibelungenlied. Kudrun ist jedoch in der Lage, die Rachegefühle zu überwinden und ihren Feinden zu verzeihen, so dass am Ende nicht der Untergang in blutigem gegenseitigem Mord steht, sondern der christliche Versöhnungsgedanke: Vergeltet niemand Böses mit Bösem. (Römer 12, 17)

Für den Lehrplan des 10. Schuljahres der Waldorfschule nennt R. Steiner den Gudrun-Stoff immer im Zusammenhang mit dem Nibelungen-Thema. Gerade an der Gegenüberstellung läßt sich viel erleben. «Gudrun» kann aber auch schon im 8. Schuljahr mit Begeisterung von den Schülern aufgenommen werden, wie die Erfahrung zeigt. Der Stoff ist sehr dramatisch, so dass er sich gut für ein Schauspiel eignet.

Ausgangspunkt für die Rollenanzahl war eine einfache Besetzung für 35 Schülerinnen und Schüler, bei der jeder eine seinem Vermögen entsprechende größere oder kleinere Sprechrolle erhielt. Der Vorteil der zahlreichen Frauenrollen für eine gemischte" Klasse liegt im Sagenstoff selbst. Einige Schüler erhielten zwei Rollen, was bei der Koppelung der Ritter Hettels und der Grafen Ludwigs, wie auch bei Vogel und Mönch (und eventuell noch weiteren Rollen) möglich ist. Die rhythmische Sprache des fünffüßigen Jambus (Blankvers) bietet besondere Gestaltungsmöglichkeiten, wenn man nicht ins Leiern verfällt.

Für eine Einstudierung mit zahlenmäßig kleineren Klassen lassen sich einige Ritter- oder Frauenrollen streichen, wenn einzelne inhaltlich nicht zu entbehrende Sätze von anderen Rollen übernommen werden. Ebenso sind bei Bedarf natürlich auch Kürzungen in dem Stück möglich, das eine Spieldauer von über zweieinhalb Stunden hat. - Die Bühnenbilder können einfach gehalten werden. Regieanweisungen wurden nur sparsam gegeben, um die Phantasie der Spielleiter und Schüler nicht einzuengen; vieles diesbezügliche ist den Rollen in den Mund gelegt. Die Noten für die Lieder sind im Anhang abgedruckt.

Der Handlungsverlauf orientiert sich an der Sage; einzelne Motive sind hinzugefügt, wie der Traum Gudruns von ihrem verstorbenen Vater und die Andeutung der Lohengrinsage, die nicht nur ungefähr zeitgleich mit der Kudrunsage aufgeschrieben wurde, sondern deren Handlungsschauplatz auch ganz eigenartig mit einem Teil der Kudrunsage korrespondiert.