Christian Maurer, Jürgen H. Havix (Musik)
WEIHNACHTSSPIEL
Szenen aus dem Yorker Mysterienzyklus (Krippenspiel, Dreikönigsspiel) mit vielen Kanons
| EAN: 978-3-931370-40-4
| ISBN: 3-931370-40-2
| 56 S.
| 205x280 mm
| 8.70 €
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Stichworte:
Yorker Mysterienspiele, Weihnachtsspiel, Klassenspiel, ab 5. Klasse, Bibel, Musik, Kanon, Erziehung, Pädagogik, Spiel, Schule, Kinder, Sprache, Spracherziehung, Sprachpflege, Sprachgestaltung, Sprachtherapie, Theater, Waldorferziehung, Waldorfpädagogik, A
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Der Stern, der tat sie lenken - Alte englische Lieder und Hymnen, deutsch von Erich Fried --- dieser Titel fiel mir vor Jahren auf einem antiquarischen Bändchen an einem Straßenstand ins Auge. Ich erstand es um der Carols willen und bemerkte erst später, daß darin auch schlichte, volkstümliche Weihnachts-Szenen zu finden waren, ähnlich den Oberuferer Spielen.
Die Szenen stammen aus einem der großen englischen Mysterien-Zyklen aus den Jahren um 1400, nämlich dem Yorker Mysterien-Zyklus, der durch eine glückliche Wendung in der originalen Form bis in die heutige Zeit unverändert vorliegt. Auf der Grundlage des Originals (enthalten z.B. in: Beadle, Richard, The York Plays, Edward Arnold Ltd, London 1982) und den ausgezeichneten Übersetzungen von Erich Fried entstanden nun die nachfolgenden Weichnachtsszenen, für die Schulbühne eingerichtet.
In den Jahren 2000/2001 fanden sich Schüler einer 11. bzw. 12. Klasse der Rudolf-Steiner-Schule Berlin bereit, das Yorker Dreikönigs-Spiel zu erarbeiten. Es forderte den jungen Leuten Stunden konzentrierten Einzelübens ab, um in Sprache und Haltung der königlichen Würde hineinzuwachsen. Ein verdienter Kollege in hohem Alter, der früher im Oberuferer Spiel selbst den blauen König verkörpert hatte, schrieb mir nach der Aufführung: »... Von dem gestalteten und erfüllten Sprechen der Schüler, über die würdig durchdrungenen Gesten, bis hin zum geformten Bewegungsablauf kam Hohes und Heiliges in natürlicher Art zu uns herüber. Wen ich auch nur ... traf, dem musste ich gleich berichten, wie da siebenhundert Schüler in großer Ruhe und eingenommen von dem Erlebten dabei waren.«
Das Yorker Dreikönigsspiel gewinnt seine schlichte Eindrücklichkeit auch dadurch, dass nicht nur die Könige in hoher Würde erscheinen, der dagegen sehr lümmelhafte Herodes aber weder vom Teufel, noch von den Schriftgelehrten besucht wird und ihn so einzig und allein --- aber desto deutlicher --- seine eigene Unwürdigkeit hindert, den Stern zu erkennen.
In der Vorweihnachtszeit 2004 ergab sich die Gelegenheit, erstmals für die ganze Schulgemeinschaft das Yorker Krippenspiel zu gestalten. So spielte nun eine 11. Klassse vor Weihnachten und die andere zu Dreikönig im Neuen Jahr. Sie wurden vom Klassenorchester der 4. bis 5. Klasse unterstützt, die auch die Lieder sangen. So wurden beide Spiele musikalisch aufgelockert durch neue Kanon-Vertonungen aus Textzitaten und alten Carols.
Die Szenen können je nach Alter und Vermögen der Kinder, z.B. die Adventszeit begleitend, auch einzeln gespielt werden. Nicht als Carols gekennzeichnete Lieder sind ursprünglich Sprachtexte aus den Szenen.
Die Geschichte der Yorker Mysterienspiele (Jürgen Havix)
Im Verlauf der altenglischen Literaturperiode (1250 - 1500) entstanden in England in national-eigenartiger Weise große Mysterien-Zyklen, welche Erzählungen der Bibel, der Apokryphen und mündlich Überliefertes zur Darstellung brachten. Vier Sammlungen sind noch erhalten:
- The York Mystery Plays
- The Towneley Mysteries
- Ludus Coventriae
- The Chester Plays.
Die Yorker Mysterienspiele (oft 'Corpus Christi Plays' genannt) sind wahrscheinlich am besten erhalten und dokumentiert.
Über den oder die Urheber der Spiele ist nicht viel bekannt.
Der erste Bezug auf die Spiele erscheint 1376 als kurze Eintragung für eine jährliche Bezahlung im Zusammenhang mit den 'Corpus Christi plays' in einer städtischen Urkunde (York Memorandum Book) (Athur Brown,York and its plays in the Middle Ages, S.408). Das läßt vermuten, daß der Ursprung der Spiele wesentlich weiter zurückreicht und die Spiele - wie oft damals üblich - mündlich weitergegeben wurden. Ab ca. 1463 nahm ein städtischer Beamter die einzelnen Spiele in einer Art Register auf, welches heute - durch glückliche Umstände weitgehend gut erhalten -im Britischen Museum als Urtext vorliegt.(Beadle, The York plays, 1982)
Von der 'Erschaffung der Welt' bis zum 'Jüngsten Gericht' bildete die Leidensgeschichte Jesu den Hauptbestandteil der Spiele , wobei die Auswahl der Texte in allen Mysterien-Zyklen sehr ähnlich war.
Es ist ganz sicher, dass sowohl die von den Handwerkszünften als auch die von den Mönchen veranstalteten Aufführungen (hauptsächlich Ludus Coventriae) in keiner Weise mit der Kirche in direktem Zusammenhang standen.(Hohlfeld, Die altenglischen Kollektivmysterien) Zu vermuten ist daher, daß sie unter dem Einfluß des auf einem urchristlichen Freiheitsimpuls fußenden iro-schottischen Christentums - das nachgewiesenermaßen einen großen Einfluß u.a. auf das benachbarte England hatte (z.B. viele Klostergründungen) - entstanden sind.
Dies galt bis zum späten 15. Jahrhundert, wo dann die Reformatoren es für nötig befanden, den religiösen Inhalt der Texte zu prüfen und zu 'korrigieren'.
Die Spiele wurden sehr ernst genommen. Von den Zünften finanziert, wurde alles unternommen, damit die Aufführungen würdig und angemessen stattfinden konnten. Die Spiele wurden alle nacheinander aufgeführt und jede Zunft war für die Aufführung des ihr zugeteilten (oder auch übernommenen - es muß wohl auch Streitigkeiten deswegen gegeben haben - )Spieles verantwortlich.
Die Zeit der Reformation und das Auftretens der Pest im späten 15.Jahrhundert beendeten schließlich die Praxis der jährlichen Aufführung der Spiele (1579). Der überlieferte Tag der Aufführung für die Spiele war Fronleichnam. Damit standen sie in direkter Konkurrenz zu der (kirchlichen) Prozession, die ebenfalls am gleichen Tag stattfand. Ab 1468 wurde dann die Fronleichnams-Prozession (!) um einen Tag verschoben, damit das Corpus-Christi-Spiel an Fronleichnam ungestört stattfinden konnte.(Beadle, The York Plays,S. 29)
Um 4.15 morgens begannen die Spiele. An durchweg 12 Stationen, die für Zuschauer hergerichtet waren, wurden alle Spiele an allen Stationen aufgeführt. Die (Laien) -Schauspieler der einzelnen Zünfte fuhren mit Karren (pageant-wagons), die für das jeweilige Spiel gebaut worden waren und das ganze Jahr über gehütet wurden, prozessionsartig von Station zu Station durch die Stadt. Auf und um die Karren herum fanden dann jeweils die Aufführungen statt. Es ist anzunehmen, daß trotz der Ernsthaftigkeit und Dramatik die Spiele auch den Charakter eines großen Volksfestes annahmen. Kurz nach Mitternacht fanden die Aufführungen ihr Ende mit dem 'Jüngsten Gericht'.