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Abb. ION

Christian Maurer, Jürgen H. Havix (Musik)


ION


Hexameter-Spiel mit Musik. Die Ion-Sage beschreibt den Weg der Seele aus dem Einssein mit Gott hin zur Selbsterkenntnis
EAN: 978-3-931370-49-7 ISBN: 3-931370-49-6 28 S. 20,5 x 29,7 mm 7.70 € Anzahl erhöhen
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Stichworte:
Hexameter, Pentameter, Kreusa, Apollon, Hermes, Ion, Phythia, Intellektualität - Religiösität, Denkschulung, Blutrhythmus, Atemrhythmus, Atem-Zäsur, Klassenspiel, Griechenland, griechische Mythologie, Schauspiel, Theater, 5.Klasse


Die Ion-Sage beschreibt den Weg der Seele aus dem unschuldigen Einssein in Gott, hin zu Selbsterkenntnis durch Zweifel, Verwirrung und Leid.

Kreusa, die Königstochter, hat im Mädchenalter von Apollon ein Kind empfangen. Dieses Gotteskind setzt sie aus - gibt es in die Obhut seines göttlichen Vaters zurück, um nicht sich selbst dem Zorn ihres leiblichen Vaters auszusetzen. Daß sie sich nicht bekennen kann zu dem Geistgeschenk ihres Gottes, ist der Quell der fortdauernden Verwirrung, in die ihr Schicksal führt.

Noch Jahre später, vor dem Tor des delphischen Orakels, das sie aufsucht, erneut um leibliche Fruchtbarkeit zu flehen, schützt Kreusa eine erfundene Freundin vor, in deren Stellvertretung sie Bittstellerin sei. --- Sie kann das Schicksal nicht bejahen, zu dem der Gott sie berufen hat. Erst die Krisis der Geistverdunklung, wo sie dem Mordanschlag auf das unerkannte eigene Kind nicht wehrt und der unbändige Zorn, der sie zum gehetzten Jagdwild macht, öffnet ihr den delphischen Weg zur Selbsterkenntnis, der zugleich Bekenntnis zu Apollon ist, dem Gott, mit dem sie einst vereint war.

»Feuerkraft heiligen Zorns werde Herzensmut der Erkenntnis«, sagt die Pythia im letzten Bild des Spieles zu Ion. Leidenschaft und Erkenntnislicht bedingen sich gegenseitig. In Delphi auf dem Schauplatz der Ion-Sage wurden Apollon und Dionysos gleichermaßen verehrt: Den Menschen auf den Weg des inneren Gleichgewichtes zwischen dem Gott, der im Licht und dem Gott, der im Blut wirkt, zu führen, war der Erziehungsauftrag im Heiligtum zu Delphi.

Die Leiden der Kreusa und die Prüfung ihres Sohnes, des Tempeldieners Ion, beides sind Stationen auf diesem Weg.

Das mythologische Bild der Ion-Sage, das ein Licht wirft auf das Werden der Denkkraft in der griechischen Kulturepoche, ist auch ein Bild für die Bewußtseinsentfaltung in der Mitte der Kindheit.

Jeder Elfjährige ist ein Tempeldiener auf dem Weg zu eigenen klaren Gedanken; aber zugleich auch die Seele, die sich scheu hinter Vorspiegelungen verbirgt und Verwirrung stiftet zwischen ungezügelter Leidenschaft und lähmender Willensschwäche.

In diesem Alter hören die Kinder gern die griechischen Sagen, verbinden sich mit dem Zorn des Achilleus, mit des Odysseus Irrfahrten und mit den Göttern, die einst die Helden leiteten. Sie suchen sich Vorbilder unter Göttern und Helden, bekennen sich zu ihnen und eifern ihnen im Innern nach.

Wird dieses Nacheifern angeleitet zum darstellenden Spiel, z.B. des Ion-Schicksals, so spielen die Kinder ihren eigenen Werdeweg der Gedankenreife entgegen, klären spielend ihr eigenes Denken.