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Abb. Wo ein Lächeln die Welt bedeutet

Daniel Spira


WO EIN LäCHELN DIE WELT BEDEUTET


Erfahrungen eines Zivildienstleistenden in der Betreuung beeinträchtigter Menschen
EAN: 978-3-931370-51-0 ISBN: 3-931370-51-8 68 S. 145x203 mm 8.00 € Anzahl erhöhen
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Stichworte:
Behinderung, Schwerstbhinderung, Schwerstmehrfach-Behinderung, Betreuung, Erziehung, Paedagogik, Heilpaedagogik, Sozialpädagogik, Bioethik, Zivildienst, Beeinträchtigung


Um das Wertvolle zu entdecken,
muß man sich hinunterbeugen.
Selten blüht es uns in Augenhöhe.

(Ottilia Maag)

Daniel Spira erzählt in eindrucksvoller und einfühlsamer Weise über »sein Jahr« mit zwei schwerstbehinderten Menschen in einer Schule für Körperbehinderte, angefangen von seiner ersten, eher skeptischen Berührung bis zu seiner wachsenden Überzeugung, daß diese Zeit seinen Horizont erweitert und ihn entscheidend geprägt hat.
Diese Lektüre sei jedem Jugendlichen empfohlen, der vor der Enscheidung für einen Zivildienst in einer Betreuungsarbeit steht.

Ein wichtiger Beitrag für die heute wieder aufflackernden, auf einer kalten und unmenschlichen Logik basierenden Überlegungen über den »(Un-)Wert behinderten Lebens«.

Der prominente Vordenker Prof. Peter Singer, Inhaber des Lehrstuhls für Bioethik in der amerikanischen Eliteuniversität Princeton, spricht dem menschlichen Leben a priori die »Heiligkeit« ab, und mißt den Wert des menschlichen Lebens an seinen Fähigkeiten und Eigenschaften. Er habe überhaupt kein ethisches Problem damit, dass man »Embryos zu einer Schönheitscreme oder einem Potenzmittel« verarbeitet. Er kann sich »eine Gesellschaft vorstellen, ..., die eine Unterscheidung machen würde zwischen den Babys, die wirklich geliebt und aufgezogen werden, und anderen, die man der Wissenschaft spendet.« (Spiegel, 25.Nov. 2001). Das hier Assoziationen an ein düsteres Kaptitel der deutschen Vergangenheit entstehen, ist nicht weiter verwunderlich.

Weit über ein rein materielles Nützlichkeits-Denken hinausgehend berührt Daniel Spira’s Bericht hingegen tiefe menschliche Dimensionen, die in seiner Begegnung mit Behinderten anklingen.

Daniel Spira:

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit Schwerstbehinderten erinnern:

Es war ein Freitag Nachmittag im Spätsommer. Kitzelnde Sonnenstrahlen spielten im Laub und Geäst der Bäume und es war angenehm warm.

Da sah ich sie: Trotz des warmen Wetters hatte man ihnen Pullover und Sommerjacken angezogen. Dem zweiten von rechts lief Speichel aus dem Mundwinkel, seine Finger waren in Spastik erstarrt und erinnerten an Pflanzenwurzeln. Er saß nicht ruhig in seinem Rollstuhl, sondern gab röchelnde Laute von sich und seine weit aufgerissenen Augen starrten ins Leere.

Ich wand den Blick von dieser Gruppe Behinderter. Die Situation war mir peinlich. Eine Welle aus Scham und Mitleid durchflutete mich: wie unfassbar traurig, öde und trostlos musste das Leben dieser Menschen sein, wie sehr mussten sie normale Menschen um deren Vitalität und Gesundheit beneiden, ja wegen dieser Eigenschaften hassen. Und dann kam die Frage auf, gegen die ich mich vergebens wehrte, die ich immer wieder unterdrücken wollte. Es gelang mir nicht:
Ist es ein solches Leben überhaupt wert, gelebt zu werden?